Oktober 2014

Klassik und Finanzen

Mitgliederveranstaltung mit Geigenvirtuose Florian Meierott und Fondsmanager Stefan Riße

Florian Meierott

Zahlreiche Mitglieder konnten wir in der Karl-Knauf-Halle in Iphofen zur Veranstaltung „Klassik und Finanzen“ begrüßen. Die außergewöhnliche Mixtur aus Vortrag und Konzert fand in den Jahren 2006 – 2010 regelmäßig statt und wurde nun wiederbelebt.

Wie bei der Premierenveranstaltung führte der international renommierte Geigenvirtuose und Komponist Florian Meierott durch den musikalischen Teil des gut besuchten Abends, am Klavier begleitet von Angelika Mutterer. Als Referent für den Vortrag „Zwischen Inflation und Deflation – Finanzierung und Geldanlage in zinslosen Zeiten“ fungierte Stefan Riße. Bekannt wurde der Finanzexperte und enge Freund des verstorbenen Börsenmeisters André Kostolany als Börsenkorrespondent des Nachrichtensenders n-tv und Verfasser der Kolumne „Stimmungsbarometer“ für „Focus Money“. Seit 2011 agiert er als Vermögensverwalter und Portfolio Manager.

Nach der musikalischen Eröffnung durch Florian Meierott und Angelika Mutterer begrüßte Vorstand Peter Siegel die Teilnehmer und stimmte sie mit einer rhetorischen Frage auf den informativen Teil des Abends ein: „Konnten Sie sich vor einigen Jahren vorstellen, dass der EZB-Leitzins 0,05 % beträgt, Sie für eine 10-jährige Bundesanleihe eine Rendite von 0,92 % und für Tagesgeld weniger als 0,3 % Zinsen erhalten?“. Die aktuelle Zinssituation führe sogar dazu, dass Banken Strafzinsen von 0,2 % zahlten, wenn sie ihre Gelder kurzfristig bei der EZB anlegten.

Stefan Riße

Auch Stefan Riße ging in seinem Vortrag zunächst auf die aktuelle Situation an den internationalen Geld- und Kapitalmärkten ein und zeigte auf, dass die kurzfristige Anlage in Geldwerten einer Geldvernichtung gleichkomme, da die Zinssätze unter der Inflationsrate lägen. Auch bei langfristigen Anlagen sähe es nicht viel besser aus. Zwar seien geringe Nominalrenditen zu erzielen, die reale Rendite unter Berücksichtigung von Inflation und Steuern tendiere jedoch gegen Null. Auch durch Inkaufnahme von Bonitäts- oder Währungsrisiken sei keine spürbar höhere Rendite zu erzielen.

Ursächlich für das historisch niedrige Zinsniveau sei die international enorm gestiegene Geldmenge, ausgelöst durch Notenbanken, die steigende Staatsverschuldungen durch Aufkäufe von Staatsanleihen finanziert hätten. Während eine steigende Geldmenge im Normalfall zu einer höheren Inflation führe, weite das in den letzten Jahren erzielte Wachstum lediglich die Bilanzsummen der jeweiligen Notenbanken erheblich aus und gelange nicht in den Wirtschaftskreislauf. Dies habe dazu geführt, das die Inflation bisher auf niedrigem Niveau verharre.

Mittelfristig rechne er jedoch mit steigenden Preisen, unter anderem aufgrund höherer Löhne auch in bisherigen Billiglohnländern wie China. Rißes Schlussfolgerung: „Die Inflation kommt!“. Mit einem Kostolany-Zitat verdeutlichte er, dass dies letztlich auch im Interesse der verschuldeten Staaten liege: „Die Inflation ist die Hölle der Gläubiger und das Paradies der Schuldner“.

Um der kontinuierlichen Geldvernichtung entgegenzuwirken, sei die Kapitalanlage in Sachwerten unumgänglich. Neben Aktien nannte er Immobilien und Gold als Bestandteile einer ausgewogenen Anlagestruktur.

Im Anschluss an seinen unterhaltsamen und gut verständlichen Vortrag beantwortete Riße noch einige Fragen aus dem Publikum, bevor Florian Meierott und Angelika Mutterer den Abend musikalisch ausklingen ließen.

Von links nach rechts: Peter Siegel, Florian Meierott, Angelika Mutterer, Stefan Riße und Roland Köppel.