April 2014

„Wert der Genossenschaften für unsere Gesellschaft“

Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio zu Gast in Dettelbach

Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio in Dettelbach.

Mit insgesamt rund 18 Millionen Mitgliedern stellen Genossenschaften die größte Wirtschaftsorganisation in Deutschland dar. Dennoch finden sie in der öffentlichen Wahrnehmung vergleichsweise wenig Beachtung. Dass Genossenschaften dennoch eine immense Bedeutung für unsere Gesellschaft haben, zeigte Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio, in der Dettelbacher Maintalhalle den Gästen unserer alljährlichen Mitgliederveranstaltung.

Durch den Abend führte Ralf Winter, Leiter Vertrieb bei unserem Versicherungspartner Allianz und vielen unserer Mitglieder als Moderator bisheriger Veranstaltungen bekannt.

Nach der Einleitung durch Vorstand Peter Siegel begann der Vortrag des Universitätsprofessors und ehemaligen Richters am Bundesverfassungsgericht. Anhand eines Beispiels demonstrierte er zunächst die geringe Präsenz von Genossenschaften in der Medienwelt. So seien bei einer jüngst ausgestrahlten TV-Talkshow zum Thema „Mietpreisbremse“ Politiker und Repräsentanten der Immobilienbranche zu Wort gekommen, Vertreter von Wohnungsbaugenossenschaften hingegen nicht. Dabei seien gerade Genossenschaften in der Lage, marktwirtschaftliche Probleme zu erkennen und zu beheben, ohne auf staatliche Regulierungsmaßnahmen angewiesen zu sein.

Zur Verdeutlichung fasste Di Fabio die Entstehungsgeschichte des Genossenschaftswesens zusammen und bescheinigte deren Begründern, Friedrich-Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch, im von ideologischen Gräben zerklüfteten Deutschland des 19. Jahrhunderts ohne Revolution oder Staatsstreich zutiefst demokratische Vorstellungen in den Markt übertragen zu haben.

Demokratie sorge laut Di Fabio nicht für Wohlstand an sich, sondern schaffe lediglich Bedingungen, damit die in ihr lebenden Menschen hierzu gelangten. Im Gegenzug gebe es keine Demokratie ohne funktionierende Marktwirtschaft. Das belege die Geschichte: Alle Versuche, die Marktwirtschaft durch andere – nicht demokratische – Gesellschaftsformen zu ersetzen, seien gescheitert. Diesen Faktoren trügen Genossenschaften Rechnung, indem sie auf die Eigenverantwortung der Marktteilnehmer und Hilfe zur Selbsthilfe hinwirkten statt dem Ruf nach Eingreifen des Staates zu folgen.

Mit Ausbruch der Weltfinanz- und europäischer Staatsschuldenkrise hätten lange Zeit als altbacken geltende genossenschaftliche Tugenden ihr berechtigtes Comeback erfahren. Durch die Nähe zu ihren Mitgliedern und deren Kontrollmöglichkeiten über Vorstand und Aufsichtsrat stünden Genossenschaften für solides Wirtschaften, wie es auch unsere Demokratie wieder lernen müsse. In der Folge gebühre ihnen verstärktes Ansehen.

Von links nach rechts: Vorstand Roland Köppel, Ralf Winter, Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio, Vorstand Peter Siegel