März 2016

„Die Bedeutung des Fußballs und einer EM in unserer Gesellschaft“

Paul Breitner zu Gast in Dettelbach

Paul Breitner

Knapp 800 interessierte Mitglieder folgten dem Vortrag von Fußballlegende Paul Breitner über die Bedeutung des Fußballs und einer EM in unserer Gesellschaft in der Maintalhalle in Dettelbach. Themen wie die Marke und das Produkt FC Bayern München, der Weg zum Erfolg von Paul Breitner selbst und sein  Aufgabenbereich beim FC Bayern München kamen dabei nicht zu kurz.

„Als Fußball-Profi konnte ich nur eines nicht: Mund halten und Diplomat sein.“ – diesen Worten blieb er auch in der abschließenden Talkrunde mit ZDF Sportmoderatorin Anna Kraft, dem Sportchirurgen und ehemaligen Fußballprofi beim 1.FC Nürnberg, Dr. Rainer Wirsching, und SKY-Moderator Matze Bielek treu. Wer aber geglaubt hatte, etwas über Uli Hoeneß zu erfahren, wurde enttäuscht. Hierzu nahm Breitner keine Stellung. Trotz Nachfrage von Matze Bielek war dieses Thema für ihn tabu: „Ich sage nichts zu Uli Hoeneß“.

Ins Detail ging er beim „Konzern mit dem bestem Kader der Welt“. Aufgabe des FC Bayern München sei es, anderen Vereinen immer einen kleinen Schritt voraus zu sein. „Auf einer Stufe mit Volkswagen“ sieht Breitner den Konzern und die Marke, die in Länder wie China, Indonesien  oder den arabischen Ländern expandiert.

„Die Bayern wollen andere Vereine nur schwächen“, sei eine der häufigsten Aussagen die man an der Säbener Straße zu hören bekomme. Dem ist laut Breitner nicht so. Vielmehr sei man von Tag zu Tag darauf bedacht, besser zu werden. „Jeder gute Spieler spielt in erster Linie für sich selbst und dann erst für die Mannschaft“, betonte Breitner. Warum solle man also nicht einen Weltklassespieler verpflichten, wenn er zum FC Bayern München wechseln möchte.

Vom „Bäh-Image“ zur Mitte des Unterhaltungsfernsehens

Zu den Ursachen seines Erfolgs zählt der Bayern-Chefscout vor allem das Wort „Nein“. Es sei von hohem Stellenwert, dies zu verinnerlichen. Als „kollegialen Einzelkämpfer“ sieht er sich und die besten Fußballer der Welt. Durch den Einzug in das Privatfernsehen habe der Fußball den Weg vom „Bäh-Image“ hin zur „Mitte des Unterhaltungsfernsehen“ geschafft.

Größen wie Franz Beckenbauer und Gerd Müller machten den Sport plötzlich für Sponsoren interessant, die eine erfolgreiche Zukunft im Fußball sahen. Mit dem Bau des Münchner Olympiastadions und den Olympischen Spielen wurde dieser Entwicklungsprozess beschleunigt.

Dem Vortrag folgte mit den Sportexperten eine Talk-Runde mit einem bunten Themen-Mix vom Sport bis hin zur Politik.

Fußballer sind wie Popstars

Anna Kraft sieht Digitalisierung als normale Entwicklung, die aber auch Gefahren mit sich bringt. „Fußballer sind wie Popstars“ merkte sie an. In Zeiten der sozialen Netzwerke und der breiten Medienlandschaft sei es schwierig, seine Privatsphäre zu behalten. Zustimmung bekam sie hierfür vom Rest der Runde. Breitner sieht es bereits als „Sucht, in der Öffentlichkeit zu stehen“. Mit dem Thema Digitalisierung möchte er nichts zu tun haben. „Das schlimmste, was es gibt sind Selfies“ fügte er an.

Auf die Frage von Matze Bielek nach der AfD antwortete der Bayern-Scout: „Ich habe es schlimmer erwartet“. Man müsse aufpassen, dass eine Partei wie die AfD nicht erstarkt. Er sieht den Türöffner für solche Parteien in der andauernden Diskussion um die Flüchtlingskrise und einem allgemeinen Vertrauensverlust bei den Politikern.

Als Fachexperte sieht Sportchirurg Dr. Rainer Wirsching die fehlende Koordinationsentwicklung bei jungen Spielern als Grund für die Zunahme schwerwiegender Verletzungen im Amateur-Fußball. Die zunehmende Dynamik im Fußball sei ein weiterer entscheidender Faktor. Als „Macher und Herzstück des FC Bayern München“ erkannte er die Leistung von Uli Hoeneß an und befürwortete ein Comeback des ehemaligen Präsidenten. Eine Bereicherung für die Medienlandschaft wäre Hoeneß aufgrund seiner offenen Art allemal.

Von links nach rechts: Matze Bielek, Dr. Rainer Wirsching, Anna Kraft, Peter Siegel und Paul Breitner.